So ganz kann Dane sich nicht erklären, wie er da hineingeraten ist: Gerade ging er noch (überwiegend) friedlich und unbescholten zur Schule, jetzt hat er einen Aufpasserjob. Dumm nur, dass Billy D., ein neuer Schüler mit Downsyndrom, nicht will, dass man auf ihn aufpasst – viel lieber ist ihm, wenn Dane ihm beibringt, wie man sich prügelt, oder wenn er ihm hilft, seinen Dad zu finden. Der hat Billy nämlich einen Atlas mit geheimnisvollen Hinweisen hinterlassen, und Billy ist überzeugt, dass sie ihn am Ende zu seinem Vater bringen werden. Dane kann den Ärger förmlich riechen, der ihm blüht, wenn er Billy einmal quer durchs Land kutschiert, aber dessen Enthusiasmus hat er wenig entgegenzusetzen. Wo ihr Weg sie schließlich hinführt, hat keiner von ihnen geahnt …
Quelle: Verlag

Für mich zeigt ein guter Jugendroman wie komplex und chaotisch das Leben eines Teenagers sein kann, und das trifft für Halbe Helden definitiv zu. Der Protagonist Dane hat es nicht gerade leicht in der Schule, denn obwohl seine Noten gut sind steht er kurz vor dem Rauswurf. Er hat sich mit der Aura eines Schlägertypen umgeben, nachdem er festgestellt hat wie (vermeintlich) effektiv Gewalt sein kann, und gerät nun regelmäßig in Schwierigkeiten. Bei Dane fand ich besonders interessant, dass man sofort seine Geschichte und die seiner allein-erziehenden jungen Mutter kennen lernt und oft seine Perspektive einnimmt. So kann man gar nicht anders als ihn irgendwie zu verstehen und seine sarkastische aber liebevolle Art zu mögen. Sein aggressives Verhalten wird dabei genau richtig dargestellt, nicht verherrlicht sondern mit all seinen Konsequenzen gezeigt. Und eine davon könnte der Schulverweis sein, der ihm wiederum seinen Traum auf ein College zu gehen kosten könnte. Dane muss sich also dringend beweisen, und man hofft inständig dass er es schafft.

Hier kommt Billy D. ins Spiel, sein neuer Nachbar und Mitschüler. Er handelt überlegter als Dane, kann sich aber nicht so gut verteidigen und wird durch sein Downsyndrom manchmal zur Zielscheibe. Also schaltet Billy sofort und sichert sich auf clevere Art an der neuen Schule Schutz von Dane, für den er im Gegenzug ein gutes Wort einlegt. Auch Billy D. schließt man sofort ins Herz. Er ist sehr intelligent, freundlich und ehrlich, aber gegen seine Schlagfertigkeit haben Dane’s zynische Kommentaren keine Chance. Außerdem hat er einige Geheimnisse, die beide Jungen schließlich in einen der wohl realistischsten Roadtrips verwickelt, den eine US-Amerikanische Autorin je geschrieben hat. Dabei hat mir besonders gefallen, dass Billy D. mit seiner Behinderung nicht als kleiner, hilfloser Heiliger dargestellt wird, wie ihn so viele betrachten. Natürlich ist er ein ganz normaler Mensch der Fehler macht und mit schwierigen Erlebnissen kämpfen muss; und ich glaube diese Art von Repräsentation ist besonders wichtig.

Was beide Jungen verbindet und auf den angesprochenen Roadtrip schickt sind ihre nicht-vorhandenen Väter, die trotz ihrer Abwesenheit sehr wichtige Rollen spielen. Wie Dane und Billy D. damit umgehen ist zentral für die Handlung und bringt einiges an Spannung, sodass ich das Buch innerhalb von einem Tag durchgelesen habe. Trotzdem ist für mich ein anderer Aspekt der Kern dieser Geschichte: Freundschaft. Die Entwicklung von der Zweckgemeinschaft zwischen Dane und Billy D. zu einer Verbindung, die sich einige Male beweisen muss, ist wirklich schön zu erleben. Der richtige Umgang mit der Behinderung ist zwar auch manchmal ein Konfliktpunkt, steht aber definitiv im Hintergrund. Ebenso das kleine bisschen Romantik, das hier im richtigen Maße eingesetzt wurde aber sogar ein kleines Spin-Off verdient hätte! Durch diese Themenvielfalt, zwei starke Protagonisten und natürlich eine tolle Übersetzung liest sich das Buch wie von selbst.

Halbe Helden ist eine berührende Geschichte über Freundschaft, die gleichzeitig wichtige Aspekte wie Schwierigkeiten für allein-erziehende Mütter, Gewalt oder das Downsyndrom anspricht. Die Suche nach dem Vater von Billy D. ist dabei von Anfang bis Ende Spannungsträger, sodass man das Buch gar nicht weglegen und sich gleichzeitig Zeit beim Lesen lassen möchte, weil einem die Charaktere sehr ans Herz wachsen. Einfach ein rundum toller Jugendroman! 

Halbe Helden | Erin Jade Lange |  Originaltitel: Dead Ends | Übersetzung: Jessika Komina und Sandra Knuffinke | Magellan Verlag, 2017 | 331  Seiten | Broschiert: 13.00€ | Leseprobe | Meine Wertung: ★★★★★
Vielen Dank an den Magellan-Verlag für dieses Rezensionsexemplar!

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