Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen: In letzter Zeit greife ich fast ausschließlich zu englischsprachigen Büchern. Ich möchte die Originale lesen wenn ich es kann, da es für mich wirklich einen Unterschied macht. Zu diesem Vorhaben gehört aber auch, mehr deutschen Bücher von deutschen Autoren eine Chance zu geben. Aus diesem Grund habe ich Orcasommer beim Magellan-Verlag als Rezensionsexemplar angefragt – und wurde mit einem meiner liebsten Bücher des Jahres belohnt.

Das Buch folgt der jungen Svenja nach Kanada, wo sie zum ersten Mal ihren biologischen Vater treffen und den Sommer verbringen soll. In Solitary Cove angekommen läuft aber nichts so, wie sie sich das gewünscht hätte. Sie und ihr Vater finden einfach nicht zueinander, das Wetter ist trist und in dem kleinen Dörfchen ist nichts los – bis sich ein kleiner Orca in der Bucht niederlässt. Mit Solo, wie ihn Svenja tauft, verändert sich das Leben dort komplett.

Es ist eine wirklich süße Geschichte mit viel Tierliebe und, klar, auch einer besonderen Verbindung zwischen Svenja und Solo, aber auch so viel mehr.

Man spürt, wie viel Arbeit in die Recherche für das Buch gesteckt wurde. Ich wäre nicht überrascht, wenn die Ereignisse fast genau so irgendwo schon einmal abgelaufen sind, so realistisch fühlten sie sich an. Man lernt zudem viel über Wale und deren Forschung, was erfreulicher Weise auch hängen geblieben ist. Beim Lesen über diese Tiere erkenne ich jetzt viele Fachbegriffe, was immer wieder aufregend ist. Man hat das Gefühl, selbst bei der Walforschung dabei gewesen zu sein.

Die Familien-Dynamik hat der Geschichte einiges an Tiefe gegeben. Dabei zählte natürlich die Beziehung zwischen Svenja und ihrem Vater sehr, aber auch die ihrer Mutter und der Sommerliebe, die sie aus den Augen verlor. Svenjas Stiefvater spielt ebenfalls eine wichtige Rolle die mich sehr berührt hat und zeigt, wie vielfältig Familien sein können.

Außerdem wurde die Rolle der Presse, sozialen Medien und dem Internet generell sehr authentisch mit eingearbeitet. Wenn sich ein Wal wie Solo besonders auffällig benimmt, bleibt das natürlich nicht undokumentiert. Die Folgen von Artikeln, wer wem was sagt und wer sich dadurch einschaltet, haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht.

Das gesamte Dorf verändert sich durch Solo; auf einmal mischen sich zahlreiche Parteien von Politikern über Journalisten bis zu Forschern und Aktivisten ein, und jeder hat eine andere Vorstellung davon, was mit dem Wal passieren soll. Man merkt, wie sehr Menschen über Tiere bestimmen wollen und sich die Freiheit nehmen Entscheidungen für sie zu treffen, egal wie eigennützig oder gut gemeint die Absichten dahinter sind. Ich finde es sehr wichtig dass solche Themen in Jugendbüchern verarbeitet werden, da man so völlig neue Blickwinkel entdeckt, die gerade in der heutigen Zeit immer bedeutsamer werden.

Es gibt natürlich auch etwas Romantik für Sonja, was ebenso nahtlos integriert wurde und für Bauchkribbeln sorgt ohne sich in den Vordergrund zu bringen. Hier möchte ich auch nicht zu viel verraten und eventuell das Erlebnis verderben, aber so viel: Es wird romantisch, dramatisch und emotional.

Der Schreibstil war so angenehm, dass ich während meiner Lesezeit das Gefühl hatte, wirklich in Kanada zu sein, den Wind auf dem Meer zu spüren und zwischen den Bäumen auf Felsen nach einem kleinen Wal Ausschau zu halten. Ich konnte das Buch einfach nicht aus der Hand legen und war so begeistert, dass ich es nächstes Jahr im Sommer unbedingt wieder lesen möchte.

Von Walfreunden über Kandada-Verliebte bis zu Lesern auf der Suche nach einer besonderen Geschichte; ich kann Orcasommer von ganzem Herzen empfehlen!

Vielen Dank an den Magellan Verlag für dieses Rezensionsexemplar!
Orcasommer | Sabine Giebken | Magellan Verlag, 2018 | Hardcover: 429 Seiten | Meine Wertung: ★★★★★

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