Mit überraschenden Rezensionsexemplaren kann ja manchmal einiges schief gehen – doch zum Glück war das bei “The Hurting” von Lucy van Smit aus dem Carlsen-Imprint Chickenhouse Deutschland nicht der Fall. Mit einem der buchbezogensten und interesantesten Blogger-Paketen, die ich je bekommen habe, wurde ich sofort in den Bann dieser mysteriösen Geschichte gezogen. Ein knallrotes Notizbuch mit handgeschriebenen Songlyrics, die klasssische Postkarte aus Norwegen, ein gruseliges Foto des Turiner Grabtuches, ein Sticker der rennomierten Brit School und ein Zettel mit ‘Harpers Medizin nicht vergessen!’ – in welchem Zusammenhang standen wohl diese Dinge?

Nell glaubt nicht an Liebe auf den ersten Blick – bis sie Lukas begegnet. Dem attraktiven und irgendwie wilden Jungen im Wolfsmantel. Mit Lukas wird ihr Leben schöner, mit ihm kann sie glücklich sein. Doch Lukas verfolgt einen finsteren Plan und als Nell das begreift, ist sie schon mitten im Nirgendwo, hat ein Kind entführt und wird von der Polizei gesucht. Und hier, in der Einsamkeit norwegischer Wälder, beginnt für sie ein Überlebenskampf – gegen die Natur, gegen Wölfe, gegen den Schmerz und gegen den Jungen, den sie liebt.

Quelle: Goodreads

Neue Twists für bekannte Klischees

Von Insta-Love bin ich, wie viele andere auch, generell kein großer Fan. Mir gefällt aber, wie reflektiert das Thema in “The Hurting” behandelt wird. Nell kann sich selbst und ihre Gefühle zunächst kaum ernst nehmen; doch vor allem wird sie sich der dunklen Seite solcher intensiver Gefühle bewusst. Auch andere Klischees werden umgekrempelt: Die krebskranke große Schwester ist fies und manipulierend, der religiöse Vater ist Alkoholiker und Choleriker, die wunderschöne Norwegische Landschaft ist wild und gefährlich, und selbst Industrie-Tycoons sind keine herzlosen Monster. Diese ungewöhnlichen Kombinationen machen das Buch erfrischend komplex und unvorhersehbar.

Das Chickenhouse Markenzeichen: Action!

Ich bin fest davon überzeugt, dass es nicht ein einziges langweiliges Chickenhouse-Buch gibt, und auch hier wurde ich bestätigt. “The Hurting” ist einfach unmöglich aus der Hand zu legen. Zum Glück habe ich es einem freien Tag erhalten und konnte innerhalb einer fieberhaften Lesesession durch das Buch rasen, denn etwas anderes blieb mir gar nicht übrig. Ungute Vorahnungen entwickeln sich zu überraschenden Wendungen, Geheimnisse und sogar unbekannte Todesfälle werden aufgedeckt, und Nell’s ungeplante Expedition durch Norwegens Berglande fesselt schockierend an die Seiten.

“The Hurting” ist wild

Was dieses Buch aber vor allem so einzigartig macht, ist die Wildness darin. Sie wird schon fast zu einem eigenen Charakter, lauert unvorsichtigen Menschen auf und kämpft gegen die ‘Zivilisation’. Man spürt die unbändige Freiheit, aber auch die Gefahr, die darin liegt. Obwohl ich (leider) noch nie in Norwegen gewesen bin, hatte ich das Gefühl gemeinsam mit Nell durch die ungezähmten Wälder zu fliehen, zerklüftete Felshänge herabzurutschen und den Wölfen in die Augen zu schauen.

Hier gibt es keine Helden

In gewisser Weise verkörpert der geheimnisvolle Lukas die norwegische Wildnis, in der er doch aufgewachsen ist. Der ‘Wolfsjunge’ ist einer dieser Charaktere, von denen man das Auge vor lauter Faszination nicht abwenden kann, egal was er tut. Mit ihm haben wir ein Paradebeispiel der moralischen Grauzone, man fühlt seinen tiefen Schmerz und löst Stück für Stück das Mysterium, in welche dramatischen Tiefen ihn dieser treibt – und wen er dorthin mitzieht.

Empfehlung? Definitiv!

Wer unkonventionelle Charaktere, lebhafte Beschreibungen und Spannung auf jeder Seite sucht, sollte zu “The Hurting” greifen!

Vielen Dank an Cickenhouse für dieses Rezensionsexemplar!

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